Kryptobann von Google und Facebook ist Machtmissbrauch

Seit Monatsbeginn hat Google Kryptowerbung – wie im März angekündigt – verbannt. Dabei geht es keineswegs (nur) um Werbung für unseriöse ICOs oder ähnliches, sondern um das komplette Kryptouniversum – egal ob seriös oder nicht: Coins, Kryptobörsen, Wallets, ICOs etc.

Gleichzeitig hat Google – ebenso wie Facebook – bestätigt, dass es sich durchaus für die Blockchaintechnologie interessiert und Teams an Kryptothemen arbeiten lässt. Vor diesem Hintergrund hinterlässt der Kryptobann einen faden Beigeschmack, denn er scheint durchaus geschäftlich motiviert. Und es wäre nicht das erste Mal, dass Google seine monopolistische Macht (im Suchmaschinen-Segment ist Google in vielen Ländern de facto Monopolist) nutzt, um Konkurrenten eigener Produkte zu verdrängen. Bei Google Shopping hatte Google ebenfalls seine Marktstellung missbraucht, um den eigenen Dienst „Google Shopping“ zu pushen – und wurde dafür von der EU Kommission mit einer Strafe von 2,4 Milliarden Euro belegt. Für „normale“ Unternehmen eine gigantische Summe – für Google eher ein Taschengeld.

Der britischer Tech-Investor Philipp Nunn mutmaßt, dass die Internetriesen vielleicht schon an eigenen Kryptowährungen arbeiten. Ironischerweise versuchte auch Google erst vergangenen Monat den Gründer der zweitgrößten Kryptowährung Ethereum, Vitalik Buterin, als Mitarbeiter zu gewinnen (der jedoch absagte). Facebook klotzt ebenfalls beim Kryptopersonal: Der ehemalige Chef des riesigen Facebook Messenger, David Marcus, leitet ein Blockchain-Team, dass die Technologie und Anwendungsmöglichkeiten erkunden soll. Dabei untersteht Dunn direkt Facebooks Technikchef Mike Schroepfer.

Aber unabhängig von diesen widersprüchlichen Ereignissen: Mit welcher Ethik verbietet Google (und Facebook) Kryptowerbung und lässt doch in so vielen anderen sehr grenzwertigen Bereichen Werbung zu: Gambling, CFD-Broker, Wetten etc.? Wenn man sich den Marktanteil der Google-Suche in Deutschland anschaut – weit über 90% – so hat Google schon einen signifikanten Einfluss darauf, wie sich Branchen oder Technologien entwickeln bzw. verbreiten. Und scheinbar tritt Google im Kryptobereich massiv auf die Bremse, obwohl es selbst investiert. Konkret kann so ein Werbeverbot eine Frage für „Leben und Tod“ für junge Kryptounternehmen sein. Entscheidend für den Erfolg fast aller digitalen Geschäftsmodelle ist, effizient potenzielle Nutzer und Kunden zu erreichen. Wenn die weltweit größte Suchmaschine sowie das größte soziale Netzwerk solche Werbung unterbinden, dann bedeutet das schlicht, dass es viel schwieriger wird, eine kritische Menge an Nutzern zu akquirieren. Vor diesem Hintergrund stellt sich durchaus die Frage, warum wird hier nicht das Kartellamt aktiv?

Offenbar sind die Zeiten, als Google seinen Mitarbeitern noch den Slogan „Don’t be evil“ einprägte, vorbei – und tatsächlich ist dieses Leitmotiv seit einigen Monaten aus den Mitarbeiterhandbüchern des Internetgiganten verschwunden, wie kürzlich bekannt wurde.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.