Russland verbietet Telegram

Russische Sicherheitsbehörden haben von dem Messengerdienst Telegram Zugang zu verschlüsselten Nutzernachrichten verlangt, was Telegram jedoch verweigerte. Ein Moskauer Gerichte entschied daraufhin ein sofortiges Verbot des Messengerdienstes in Russland.

Ein Kreml-Sprecher sagte dazu, dass die russischen Gesetze verlangen, das bestimmte Daten an die russische Regierung gegeben werden müssen und so sah es auch das Gericht bzw. die Richerin Julia Smolina, die Telegram verbot, bis die Sicherheitsbehörden alle benötigten Daten (entschlüsselt) erhalten haben.

Bereits im letzten Monat hatte sich Telegram vor Gericht gegen eine Geldstrafe durch den russischen Geheimdienst FSB in Höhe von 800.000 Rubel gewehrt. Auch der FSB hatte Zugriff auf entschlüsselte Nutzerdaten verlangt. Telegram hatte daraufhin ein Statement auf seinem Blog veröffentlicht in dem es bestritt jemals irgendwelche Daten mit Behörden oder anderen Dritten weitergegeben zu haben: „Unlike other popular apps, Telegram doesn’t have shareholders or advertisers to report to. We don’t do deals with marketers, data miners or government agencies. Since the day we launched in August 2013 we haven’t disclosed a single byte of our users‘ private data to third parties.“

Der einzige Kommentar zum Verbot veröffentliche Pavel Durov, Gründer und CEO von Telegram, in seinem persönlichen Telegram-Kanal: „The power that local governments have over IT corporations is based on money. At any given moment, a government can crash their stocks by threatening to block revenue streams from its markets and thus force these companies to do strange things (remember how last year Apple moved Icloud servers to China). At Telegram, we have the luxury of not caring about revenue streams or ad sales. Privacy is not for sale, and human rights should not be compromised out of fear or greed.“

Durov selbst ist Russe, lebt jedoch seit 2014 im Exil, nachdem er mit seinem vorherigem Unternehmen Vkontakte in Konflikte mit der russischen Putin-Regierung geraten war. Vkontakte ist das größte soziale Netzwerk in Russland und auch dort wollten Geheimdienste Zugriff auf Nutzerdaten.

Wie geht es für Telegram weiter?
Natürlich hat Telegram die Möglichkeit rechtlich gegen das Urteil vorzugehen. Inwieweit das erfolgsversprechend ist, bleibt bei politischen Gegnern wie Putin und FSB höchst zweifelhaft. Der Telegram vertretende Rechtsanwalt Pavel Chikov äußerte auch klar, dass er das Urteil für politisch motiviert hält.

Telegram ist nach Linkedin das zweite soziale Netzwerk, dass in Russland verboten ist. Das erste Netzwerk war Linkedin. Facebook und Google sind hingegen weiterhin verfügbar.

Trotz alledem ist Telegram derzeit extrem erfolgreich. Kürzlich registrierte sich der 200-millionste Nutzer und die Plattform sammelte über einen ICO 750 Millionen US-Dollar ein.

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