Wie kritisch ist Bitcoins steigender Energiebedarf?

Wie groß der tatsächliche Energiebedarf für Bitcoinmining tatsächlich ist, weiß kein Mensch: Zu heterogen ist die Mininglandschaft und naturgemäß sind die Miner auch eher verschwiegen bei ihren Tricks, wie Mining besonders effizient erfolgen kann. Ein Fakt gilt aber allgemein akzeptiert: Der Energiebedarf ist immens.

Aktuell gibt es eine neue Studie im Wissenschaftsmagazin „Joule“, dass nur Artikel veröffentlicht, die den Peer-review des Magazins erfolgreich durchlaufen haben. Insofern kann der Leser des Physikmagazins schon von einer zumindest vernünftigen Qualität ausgehen. Die Untersuchung zum Mining kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich mindestens 24 Terawatt-Stunden an Energie verbraucht werden. Das entspricht in etwa dem jährlichen Energieverbrauch von Irland.

Deutlich besorgniserregender ist der Ausblick in die Zukunft: Die Autoren gehen davon aus, dass sich der Verbrauch etwa aller 6 Monate verdoppelt. Ende 2018 sollte der Jahresverbrauch bereits bei 67 Terawatt-Stunden liegen. Das wäre der jährliche Energieverbrauch von Tschechien.

Wieviel Sorgen müssen sich Bitcoin-Besitzer und Miner nun machen?
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Angebot und Nachfrage das Problem regeln. Wenn Mining zunehmend teurer wird aufgrund des wachsenden Energiebedarfs werden zunehmend Miner ihre Geschäfte einstellen, wenn diese schlicht unrentabel sind. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Bitcoin-Community sich für Änderungen am Quellcode der Blockchain entscheiden, die den Energiebedarf senkt.

Regelmäßig sorgten auch Umweltsorgen für Schlagzeilen, denn bis vor kurzem wurde ein hoher Anteil der benötigten Energie mit schmutzigen Kohlekraftwerken in China erzeugt. Aber auch diese Zeiten sind inzwischen vorbei, denn die chinesische Regierung hatte bereits im vergangenen Jahr Energieversorgern untersagt, günstigen Strom an Kryptominer zu verkaufen. Im Ergebnis sind zahlreiche Miner aus China abgewandert.

An den neuen Standorten der abgewanderten Miner ist vielfach saubere Energie verfügbar. In der kanadischen Provinz Quebec nutzen Kryptominer vor allem Wasserkraft, gleiches gilt für Schweden. In Island setzen Miner vor allem auf überschüssige Geothermal-Energie. Ausschlaggebend für die Standortwahl war dabei nicht nur günstige (grüne) Energie sondern auch ein kühles Klima, dass den Kühlungsbedarf der Serverfarmen senkt.

Ein Großteil der Weltwirtschaft basiert nach wie vor auf fossilen Energieträgern – hier hat inzwischen die Kryptomining-Branche vor allem vor dem Hintergrund der chinesischen Regulierung eine 180-Grad-Wende hin zu Erneuerbaren Energien gemacht und kann kaum noch als Treiber von Umweltbelastung durch fossile Brennstoffe gelten.

Ein weiteres Beispiel, um den Energiebedarf in Perspektive zu setzen ist folgendes:
Das Mining mag zwar in Summe ähnlich viel Energie wie Tschechien verbrauchen, aber die Mining-Industrie ist weltweit verteilt. D.h. es ist durchaus nicht so, dass der globale Bedarf zwangsläufig die Versorgungsinfrastruktur über Gebühr belastet. Auch ist der demnächst erreichte Energiebedarf von 67 TWh zwar sehr hoch, aber allein der Energieverbrauch von Elektronikgeräten im „Standby“-Modus beträgt nur den USA rund 64 Terawatt-Stunden (TWh)!

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