Russisches Kirchenoberhaupt segnet “Satan”

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, höchster russischer Geistlicher, hat sein bisher stärkstes Signal gesendet, um die Invasion seines Landes in der Ukraine zu rechtfertigen. 

Bereits bevor beschrieb er den Krieg als Teil eines Kampfes gegen die Sünde und den Druck von liberalen Ausländern, „Schwulenparaden“ als Preis um sie aus den christlichen Reihen fernzuhalten. 

„Wir wollen niemanden bekämpfen, Russland hat noch nie jemanden angegriffen. Es ist ein Wunder, dass ein mächtiges und großes Land niemanden angegriffen hat, es hat nur seine Grenzen verteidigt“, so der Kirill über Putins Einmarsch in der Ukraine.

Höhepunkt  – und Paradoxum –  der religiösen Unterstützung seitens Kirills ist die Segnung von Putins neuer Super-Rakete Sarmat RS-28, eine ballistische Interkontinentalrakete, die zehn Städte auf einmal vernichten könnte. Der Codename der Rakete ist „Satan 2“. 

Mit der Segnung von “Satan” hat Kirill, ein langjähriger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, erneut viele in den ukrainischen orthodoxen Kirchen verprellt, die dem Moskauer Patriarchen während eines Schismas in ihrem Land treu geblieben waren. 

Wer ist dieser orthodoxe Patriarch, der “Satan” segnet?

Kirills predigt seit Jahren Hass auf den Westen und verlangt Loyalität zum russischen Staat. Der Patriarch steht seit langem an der Seite Putins. Die beiden verbindet eine Vergangenheit beim sowjetischen Geheimdienst KGB und die Vorstellung, Russland: als Gegenpol zum, in ihren Augen, verkommenen Westen zu etablieren.

Kirill heisst mit bürgerlichem Namen Wladimir Gundjajew und entstammt einer Priesterfamilie aus dem heutigen Sankt Petersburg. Auch sein Vater und Großvater predigten, zu Zeiten, als die Kommunisten Prediger erschießen ließen und Kirchen zu Lagerhallen oder Bibliotheken machten. Kirills Vorfahren verbrachten viele Jahre im Gulag.

Kirill war in den 1970er-Jahren offizieller Mitarbeiter des KGB unter dem Decknamen “Michajlow” und lange als eine Art “Außenminister” der russisch-orthodoxen Kirche. In dieser Funktion lebte er viele Jahre im Ausland, bevor er 2009 durch die Heilige Synod zum 16. Patriarchen von Moskau gewählt wurde. Seitdem hören 100 Millionen Gläubige auf sein Wort.

Inzwischen sind die Beziehungen zwischen Kreml und der russisch-orthodoxen Kirche so eng, dass der “Tabak-Patriarch”, wie Kirill verächtlich genannt wird, weil er in den 1990er-Jahren im Namen der Kirche mit Zigaretten und Öl handelte, von seiten der russischen Politik nichts mehr zu befürchten hat. 

Auch wenn Kirill und Putin eine politisch- ideologische und religiöse Symbiose eingegangen sind, rührt sich dennoch Widerstand auch gegen das kirchliche Oberhaupt. Mehr als 200 ukrainische Priester der Kirche Moskauer Patriarchats fordern eine Absetzung ihres Oberhauptes. Und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat den Gesetzgebern der Europäischen Union einen Entwurf für die sechste Runde der Sanktionen gegen Russland vorgelegt in dem auch Sanktionen gegen Kirill geplant sind.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.