“Maximales Desaster” – Internationaler Güterverkehr steht vorm Kollaps

Wirtschaftsweise sind erneut in Krisenstimmung. Neben dem Ukraine-Konflikt kurbelt nun ein zusätzliches Problem die Preisspirale an. Der internationale Handel wird ein weiteres Mal von China ausgebremst. Denn in Shanghai hat sich ein Frachtschiff-Stau hochgeschaukelt.

Wieder einmal wirkt die Pandemie als Bremsblock auf die Weltwirtschaft ein. Der radikale Lockdown in Shanghai hat einen Giga-Stau im internationalen Handelsverkehr verursacht. In Deutschland stellt man sich auf Lieferkettenengpässe, Preissteigerungen und gebremstes Wirtschaftswachstum ein.

In Shanghai befindet sich der größte Frachthafen der Welt. Wegen des andauernden Lockdowns in der Millionenstadt sind dessen Kapazitäten aber um rund 40 Prozent geschrumpft. Aufgrund der strengen Corona-Maßnahmen sei vor allem der Landtransport von und zum Hafen erheblich gestört. Als Folge stauen sich die Frachtschiffe. Die Dimensionen dieses Staus sind gigantisch.

Die dabei entstandenen Lieferengpässe würden jetzt in Deutschland spürbar, sagte Maximilian Butek, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Shanghai am Freitag. Dies werde „die bereits jetzt schon hohe Inflation in Deutschland weiter negativ beeinflussen”, so der Wirtschaftsexperte. Die jetzt akuten Störungen würden sich vermutlich monatelang auf die Lieferketten auswirken. “Das betrifft im Prinzip alle Warengruppen. Aber vor allem bei Elektronikartikeln und Rohstoffen oder Vorprodukten“ sei die Lage brenzlig.

“Die deutsche Industrie befürchtet in den kommenden Wochen gestörte Produktionsabläufe. Getroffen sind vor allem Branchen, die auf Rohstoff- oder Bauteillieferungen sowie den Versand ihrer Fertigprodukte über Seetransporte angewiesen sind”, bestätigte Siegfried Russwurm, der Präsident des deutschen Industrieverbands. Die Niederlassungen von deutschen Unternehmen in China befänden sich im „Krisenmodus“.

Eine ähnliche Situation spielte sich bereits letztes Jahr ab. Allerdings ist die Situation jetzt durch das Russland-Problem massiv verschärft. Die internationalen Transportketten waren gerade dabei, sich zu erholen, dann kam der russische Einmarsch in die Ukraine. “Durch die Ukraine-Krise sind die ohnehin unter Stress stehenden globalen Lieferketten noch anfälliger geworden”, sagt der Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, Frank Huster. Die gegenseitige Sperrung von russischen und europäischen Frachthäfen macht die Logistik komplizierter und teurer. Auch auf dem Land- und Luftweg zeichnen sich Probleme ab. So müssen die europäischen Speditionen mit dem Ausfall von russischen und belarussischen Fahrern zurechtkommen. Viele Transporte wurden deshalb abgesagt bzw. können nur verzögert stattfinden. Auch der Güterverkehr über Luftwege sei um ein Fünftel eingebrochen, weil der russische Luftraum gesperrt ist, stellt Huster fest.

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