Die Italienkrise und der Bitcoin

Die Eurokrise ist zurück. Und eigentlich war sie auch nie weg, denn die Länder der Eurozone haben es in den letzten 10 Jahren schlicht versäumt die Ursachen der Krise zu beheben. Nun ist Italien der eigentlich nicht sonderlich überraschende Wackelkandidat im Euro-Raum. In der Vergangenheit haben sich vielleicht einige Leser gefragt, warum und wie so ein kleines Land wie Griechenland (Bruttonationalprodukt 184 Milliarden Euro vs. Bruttonationalprodukt der EU mit 15.400 Milliarden) die gesamte EU in die Krise stürzen kann. Nun, die Antwort liegt offenbar irgendwo im Eurosystem. Knackpunkt dürfte sein, dass Griechenland bewiesen hat, dass die EU eine Haftungsunion ist und dass die Euro-Verträge (Maastricht und Co.) nichts wert sind, was wiederum insbesondere in den reicheren Eurostaaten die Fliehkräfte innerhalb der Union massiv verstärkt hat.

Nun ist Italien in der Krise – mit einer Volkswirtschaft die fast 10x so groß ist wie Griechenland. Wie dramatisch es um Italien steht kann man an den Kreditkosten für italienische Staatsanleihen sehen. Die Kapitalkosten stiegen von Montag zu Dienstag um 900%, von 0.276 auf 2.74 Prozent für zweijährige Staatsanleihen. Gleichzeitig stieg der Bitcoin am Dienstag rd. 4 Prozent.

Der Zusammenhang ist trivial. Italien droht die Eurozone mit seinen maroden Banken in die Krise zu reißen. Zudem ist gerade eine populistische Regierung in Italien an die Macht gekommen. Das birgt massiven Zündstoff. Das Stichwort vom „Italeave“ (als Pendant zum Brexit) macht inzwischen die Runde.

Sowohl Italiener als auch die Bewohner der übrigen Eurozone dürften derzeit einmal wieder massiv überlegen, wie sie ihr Vermögen schützen können. Dabei ist die Lage für die Italiener ungleich dramatischer: Kommt es zu einem Austritt Italiens aus der Eurozone würde eine „Nuova Lira“ sofort signifikant gegenüber dem Euro und anderen Leitwährungen abwerten, Immobilienpreise dürften deutlich einbrechen. Einen kleinen Vorgeschmack dafür kann der Absturz des Britischen Pfunds gegenüber dem Euro seit der Brexit-Abstimmung geben.

Der Weg zu einem „Italeave“ wäre jedoch ein sehr schwerer: Der Brexit zeigt, wie schwierig ein Austritt aus der EU ist. Dabei hat man im Falle Großbritanniens gar kein Währungsproblem, da die Briten nie Teil der Eurozone waren. Insofern würde darunter mit Sicherheit auch der Kurs des Euro leiden.

Was ist nun der „sichere Hafen“ für Italiener. Der Euro ist es schwerlich, da er durch die Fliehkräfte in der Eurozone massive gebeutelt würde. Immobilien sind auch gefährlich – ist doch bei einem Euroaustritt auch dort ein Preisverfall nicht unwahrscheinlich. Man könnte Geld in Dollar tauschen – doch bräuchte man dazu ein Fremdwährungskonto.

Wenn man einmal nach Malta während der Eurokrise schaut, so sieht man, dass in so einer Krise der Staat auch zu Mitteln wie Enteignung greift. Insofern sind sämtliche Vermögenswerte auf die der Staat Zugriff hat (Immobilien, Wertpapierportfolios, Währungskonten etc.) riskant. Für einen sicheren Ausweg sind Kryptowährungen noch zu jung, das sieht man an der enormen Volatilität der Coins, die eben eine sichere Wertaufbewahrung (noch) nicht gewährleisten. Wer allerdings von der zunehmenden Adoption und Verbreitung der Kryptowährungen – und damit von steigenden Kursen – überzeugt ist, für den ist vielleicht jetzt der perfekte Zeitpunkt für den Einstieg gekommen. Und das könnten nicht wenige Italiener sein, wenn schon in Deutschland knapp 50% der unter 35-Jährigen sich für Kryptoinvestments interessieren (Quelle: Postbank Digitalstudie 2018).

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