Krypto-Crash: Das sind die Gründe – aber wie geht es weiter?

Wie zweifellos alle unsere Leser wissen, hatte Bitcoin (und ebenso sämtliche anderen Kryptowährungen) von Dezember 2017 bis Februar diesen Jahres einen massiven Kursrutsch zu verzeichnen, der auch noch nicht abgeschlossen ist. Eine neue Analyse Firma Chainalysis Inc., führender Anbieter für Anti-Geldwäsche-Software für Bitcoin, zeigt nun die Ursachen des Crashs auf:

Kurz zusammengefasst: Wenn die Party am schönsten ist, soll man gehen. Und genau das haben zahlreiche Kryptoeigner getan – forciert durch Regulierungsmeldungen und fehlende fundamentale Gründe für weiter steigende Kurse schlug das maximal positive Anlegersentiment in Verunsicherung um. Gleichzeitig kamen signifikante Verkäufe in den Markt, aber nur wenig neue Käufer. Die logische Konsequenz waren fallende Kurse.

Kurz vor Weihnachten 2017, genauer am 17.Dezember, stieg der Preis von Bitcoin auf knapp 20.000 US-Dollar. Bis Anfang Februar fiel der Kurs um 70% auf unter 6.000 Dollar. Entscheidend für das Verständnis dieser Kursauschläge ist, dass die Kryptokurse rein durch das Anleger-Sentiment und kaum durch fundamentale Fakten getrieben sind. Das Ausmaß der Crashs war deshalb so groß, weil es keinen fundamentalen Puffer oder Boden gab, der das negative Sentiment aufgrund der anstehenden Regulierung in zahlreichen Staaten hätte ausgleichen oder bremsen können. Während in etablierten Finanzmärkten, egal ob Aktien, Anleihen oder Devisen etc. die relevanten fundamentalen, wertbestimmenden Indikatoren und Kenngrößen (z.B. KGV, KUV, Rendite, Duration, Bonität etc.) seit Jahrzehnten bekannt sind, müssen diese für das Kryptouniversum erst noch bestimmt werden. Bisher gibt es schlicht keine fundamentalen Anhaltspunkte, für den „wahren“ Wert von Kryptowährungen. Folglich wird der Kurs ausschließlich durch das Sentiment der Anleger bestimmt, was tendenziell zu weit dramatischeren Kursauschlägen führt im Vergleich zu fundamental bewertbaren Anlageklassen.

Im Dezember verzeichnete Bitcoin zwei Volumenpeaks infolge von Meldungen aus Südkorea und Russland. Die Meldung, dass Südkorea Finanzinstituten den Verkauf von Bitcoin untersagte, führt zu einem Anstieg des Handelsvolumens von 90% an den weltweit führenden Kryptobörsen. Kurze Zeit später, folgte Russlands Ankündigung kurzfristig Kryptowährungen regulieren zu wollen. Insgesamt wurden im Dezember 40% des Kryptohandelsvolumens des gesamten Jahres 2017 umgesetzt. Gleichzeitig führte der weltweite Hype zu Kryptowährungen dazu, dass Kryotobörsen Neukundenanmeldungen aussetzen mussten, da sie mit dem schieren Nachfrageansturm überfordert waren. Gleichzeitig begann Mitte Dezember auch der Insolvenzverwalter der pleite gegangenen Börse MT Gox mit dem Abverkauf seiner Coins im Wert von 400 Millionen Dollar und verstärkte den Verkaufsdruck.

Eine der entscheidenden Fragen für die Zukunft der Kryptowährungen wird sein: Ist es überhaupt möglich fundamentale Bewertungsansätze für Kryptowährungen zu entwickeln? Oder werden sich die Kurse von Bitcoin und Co. immer nur Sentiment-getrieben entwickeln?

Fakt ist: Bisher gibt es noch keine allgemein akzeptierten fundamentalen Bewertungsansätze. Nur solche Bewertungsverfahren können die Volatilität der Kryptos langfristig senken; damit sind sie entscheidend für den langfristigen Erfolg der digitalen Währungen bei breiteren Bevölkerungsschichten. Gleichzeitig ist die Verunsicherung aufgrund anstehender Regulierungen weiter gegeben. Allerdings wurden kürzlich auch entscheidende positive Fundamentalnachrichten vermeldet, z.B. der Live-Betatest von Lightning im Bitcoin Mainnet, der das – gravierende – Performance-Problem von Bitcoin im Zahlungsverkehr lösen kann. Insofern sehen wir einen weiterhin intakten Bärenmarkt, aber auch einen Silberstreif am Horizont, sobald bestehende Unsicherheitsfaktoren (z.B. finaler Lightning Go Live und Erfolg, konkrete Ausgestaltung der Regulierung) geklärt sind. Genau das könnte auch in einem rein sentimentgetriebenen Markt für eine Trendumkehr sorgen.

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