Abriegelung des Berchtesgadener Lands steht bevor

Die Ursachen für die Infektionsexplosion in Berchtesgadener Land sind noch unklar, doch die Folgen davon nicht. Ein Lockdown für den gesamten Corona-Hotspot Nummer eins in Deutschland hat Ministerpräsident Söder verhängt. Um einsame Weihnachten in Oberbayern zu verhindern, tagt aktuell ein Krisenstab.

Ministerpräsident Söder hat im Kampf gegen die extreme Ausbreitung der Corona-Infektionen im oberbayerischen Berchtesgadener Land praktisch einen „Lockdown“ geplant. Der CSU-Politiker sagte, es werde ein Maßnahmenpaket geben, „das einem Lockdown entspricht“. Gemeinsam mit dem Landkreis und der oberbayerischen Regierung solle die Gesundheitsministerin Melanie Huml Details ausarbeiten.

Die Zahlen müssen gedrückt werden, um daraus keine Gefahr für andere entstehen zu lassen, so Söder. Er kündigte an, dass das öffentliche Leben im Hotspot heruntergefahren werde. „Anders geht es nicht“, betonte er. „Die Kontakte können dort nicht mehr verfolgt werden, also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden – was Veranstaltungen betrifft, was Kontakte nach draußen betrifft.“ Dabei werde es das „härteste Protokoll sein, das man an der Stelle anwenden muss, um schnell wieder eine Kontrolle über das Infektionsgeschehen zu bekommen“. Andernfalls drohten „einsame Weihnachten“.

Die Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner hat im Kreis Berchtesgaden innerhalb von sieben Tagen den Wert von 252 erreicht. Das ist der Höchstwert im gesamten Land. 118 bestätigte Fälle sind seit Freitag in dem Landkreis hinzugekommen, wie das Landratsamt mitteilte. Von allen positiv Getesteten ermittle das Gesundheitsamt nun die Kontaktpersonen und leite weitere notwendige Maßnahmen ein. 701 direkte Kontaktpersonen sind derzeit in Quarantäne. In den örtlichen Krankenhäusern ist die Lage weitestgehend stabil. 13 Covid-19-Patienten sind im Berchtesgadener Land stationär in Behandlung, aber keiner davon liegt auf der Intensivstation. Akut infiziert sind 234 Menschen.

„Massive Kontrollen“: Mehr Maskensünder als Parksünder

„Massive“ Kontrollen der Corona-Schutzmaßnahmen für den gesamten Freistaat kündigte Söder derweil an. Dazu zählen auch Bußgelder bei Verstößen. „Wir werden in Bayern sehr darauf achten, dass Polizei und Ordnungsbehörden die Durchsetzung der Regeln erreichen.“ Mehr als 90 Prozent der Menschen hielten sich an die Auflagen, „aber es gibt auch einige, die das nicht tun“. Insbesondere auf illegale Partys verwies der CSU-Chef dabei. Nach Söders Angaben wird die Staatsregierung die bayerischen Städte darum bitte, mit ihren Ordnungskräften momentan mehr nach „Maskensündern“ als nach Parksündern zu suchen. Wichtiger sei derzeit die Einhaltung der Maskenpflicht.

Die Behörden vor Ort teilten bislang nicht mit, warum in den vergangenen sieben Tagen die Zahlen derart explodiert sind. Auf erhebliche Regelverstöße trafen die Beamten aber am Samstagabend bei der Polizei-Kontrolle einer Shisha-Bar. Bei der Überprüfung der Örtlichkeiten stellten die Polizisten mehr als 100 Gäste fest. Erlaubt waren lediglich 80. Ebenfalls wurde die Sperrstunde, die im Zuge der hohen Infektionszahlen verhängt wurde, nicht eingehalten. „Ein Hygienekonzept war zwar vorhanden, jedoch hielten sich die wenigsten Gäste daran. Der 30-jährige Betreiber führte zudem keine zwingend vorgeschriebene Gästeliste“, beschrieb das Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Verhältnisse bei der Kontrolle. Ein hohes Bußgeld erwartet nun den Betreiber der Bar.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.