Bitcoin-Kursrallye war durch „Infektion“ der Anleger verursacht

Der extreme Kursanstieg des Bitcoin (und anderer Kryptowährungen) im vergangenen Jahr ist vergleichbar mit der Ausbreitung einer Infektionskrankheit, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler von Barclays und befürchten, dass wir die Höchstkurse beim Bitcoin schon gesehen haben, da Anleger zunehmend „immun“ gegen die Krypto-Euphorie sind.

Als die Kurse 2017 über 900% anstiegen, wurden neue Käufer durch die extreme Bitcoin- und Blockchain-Euphorie derartig mitgerissen bzw. „infiziert“, dass es der Verbreitung einer Infektionskrankheit ähnelte. Doch wie geht es jetzt weiter – nachdem die Kurs von fast 20.000 US-Dollar vor Weihnachten auf unter 7.000 US-Dollar abgerutscht sind?

Die Barclays Volkswirte analysierten epidemiologische Studien – so nennt sich der Zweig der Medizin, der sich mit Infektionskrankheiten beschäftigt – anhand derer sie ein Preismodell für Bitcoins erstellten. Dabei kommen sie zu dem Schluss, dass die Anleger aufgrund des Kursrutsches zunehmend gegen die prognostizierten Gewinnchancen der Kryptowährungen „immun“ werden.

Preise steigen nur so lange, wie sich die „Infektion“ von Käufer zu Käufer ausbreitet, übertragen durch Mund-zu-Mund-Propaganda und natürlich auch soziale Netzwerke. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Angst, diese einmalige Gewinnchance zu verpassen. Der daraus resultierende, stetig wachsende Zustrom immer neuer Käufer war dabei der treibende Faktor für steigende Kurse. Doch genau diese Angst, Gewinne zu verpassen, ist zumindest kurzfristig verschwunden. Im Gegenteil: Ein guter Teil der Käufer sitzt inzwischen auf Verlusten. Anleger werden dadurch quasi gegen die Chancen auf neue Höchstkurse immunisiert. Die Propheten, die auch heute noch Kursziele von 20.000 US-Dollar bis 1.000.000 US-Dollar bekannt geben, haben ihre Magie verloren.

Davon ausgehend, dass die Anzahl von für den „Bitcoin-Virus“ anfällige Käufer nun sinkt, prognostizieren die Volkswirte, dass das All-Time-High vor Weihnachten auch der maximale Preis war, den Kryptowährungen jemals erreichen konnten. Es ist das gleiche, was mit Infektionskrankheiten passiert, wenn sie die Immunitätsgrenze erreichen, der Punkt an dem eine ausreichende Bevölkerungsanzahl immun wird, so dass es keine neue Ansteckungen mehr gibt. Die Anzahl der Käufer steigt nicht mehr, sondern sinkt.

Die Barclays Analysten beobachteten dabei auch, dass die Bitcoin-Nachfrage schon ab 2015 durch spekulative Anleger dominiert wurde, was auf der Zeitachse durchaus ein ganzes Stück vor der einzigartigen Rallye in 2017 war. Doch genau diese Wetten auf weitere Kursanstiege verschwinden derzeit, da der Nimbus von ausschließlich steigenden Kursen (vorerst) verschwunden ist.

Wenn man dieser Analogie folgt, so werden die Kryptowährungen nie wieder die Marktkapitalisierung von 780 Milliarden Dollar erreichen, die das Kryptouniversum in der Spitze aufwies.

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