Patienten mit und ohne Corona nicht mehr voneinander getrennt

Der Beschluss einer Krankenhausgesellschaft sorgt für Empörung: In Zukunft sollen in Kliniken im kanadischen British Columbia Infizierte nicht mehr von Geimpften getrennt werden – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen. Ähnlich könnte sich die Situation auch in Deutschland entwickeln.

In Kanada, das als Corona-Hochrisikogebiet gilt, ist eine Entscheidung gefallen, die international für Aufsehen sorgt. „Fraser Health“, die größte Krankenhausgruppe der westlichen Provinz British Columbia hat beschlossen, Infizierte unter bestimmten Umständen nicht mehr von anderen Patienten zu trennen. Bislang wurden Patienten mit positivem Corona-Test strikt von anderen Patienten getrennt, um eine weitere Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern.

Die für Corona-Patienten abgetrennten Stationen der Krankenhäuser sollen in Zukunft nur noch für Patienten mit schwerem Verlauf reserviert werden. Menschen mit Corona-Infektion, die keine „signifikanten Atemwegssymtomatik“ zeigen, werden demnach auf Normalstation behandelt und nicht mehr vom Rest des Klinikbetriebs abgeschirmt.

Begründet wurde die Entscheidung mit aktuellen Daten über die Omikron-Variante, welche darauf hinwiesen, dass diese „im Allgemeinen eine leichte Erkrankung verursacht, insbesondere bei vollständig geimpften Personen.“ So stehe es in den neu aktualisierten Richtlinien der Krankenhausgruppe, welche die Zeitung „Global News“ zitierte.

Patienten mit einem leichten Verlauf oder Infizierte, die aus einem anderen Grund ins Krankenhaus kamen, aber keine Covid-19-Symptome zeigen, sollen im Idealfall in einem Einzelzimmer untergebracht werden. Falls dieses nicht möglich sei, könnten sie auch in Mehrbettzimmern gemeinsam mit vollständig Geimpften versorgt werden. Dabei solle jedoch ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Betten gewährleistet werden, heißt es weiter.

Der Gesundheitsminister von British Columbia, Minister Adrian Dix, bezog kurz darauf Stellung zu dem Beschluss. Er betonte, dass nach wie vor allen Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen werde. Aber würden inzwischen 10 Prozent aller ankommenden Patienten positiv auf das Coronavirus getestet, auch wenn sie aus ganz anderen Gründen ins Krankenhaus kamen. Es sei extrem schwierig, diese Menge an Patienten weiter separiert zu versorgen. Die neuen Richtlinien von „Fraser Health“ sei eine „pragmatische Entscheidung“, die notwendig sei, um Menschen weiter die Behandlung zu ermöglichen, die sie benötigen.

Die Entscheidung in British Columbia wird kritisch beobachtet und nicht von allen begrüßt. Der Harvard-Epidemiologe Dr. Eric Feigl-Ding bezeichnete die Vorgehensweise via Twitter als „gefährlichen Unfug“.

Fraglich ist allerdings, ob derartige Entscheidungen auch in anderen Nationen diskutiert werden müssen. Denn die Infektionszahlen steigen in vielen Ländern der Welt, darunter Deutschland. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete heute 140.160 Neuinfektionen und damit erneut einen Höchstwert. Auch in Deutschland ist die Versorgungslage mit zunehmenden Infektionszahlen in Krankenhäusern eine Herausforderung. Aktuelle Richtlinien des RKI sehen eine räumliche oder zeitliche Trennung bei der Behandlung von Infizierten und Nicht-Infizierten vor.

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