Kriminelle Bitcoin-Vermögen stecken in der Blockchain fest

Lange bevor die meisten Privatanleger Bitcoin entdeckten, waren bereits zahlreiche Kriminelle auf die Vorzüge der anonymen Währung aufmerksam geworden. Ob Erpressung, Falschgeld, Malware, Drogen oder Steuerhinterziehung – lange Zeit waren Bitcoin und Co. ein perfektes Vehikel um Schwarzgeld zu halten.

Aber dann passierte für diese spezielle Krypto-Klientel etwas äußerst ungünstiges: Private Anleger und Investoren begannen Kryptowährungen zu kaufen. Der Wert der Kryptos stieg und stieg: Die Winklevoss-Zwillinge wurden Milliardäre, ICOs waren heißer als Börsengänge zu Zeiten des neuen Marktes und selbst bei NTV und Co. wurde rauf und runter über Bitcoin berichtet. Und mit der Popularität wurde zunehmend Regulierung ein politisches Thema.

Das Problem für Krypto-Schwarzgeld: Es wird immer schwieriger Krypto-Geld in Cash umzutauschen. Gegenüber dem Onlinemagazin VICE bestätigte sogar ein Schweizer Banker, dass er zahlreiche Anfragen erhielt, ob er nicht bei den Kryptos helfen könne. Einige Dark-Web Akteure waren unter den ersten Bitcoin-Investoren und trieben dessen Wert, als noch niemand interessiert war. Natürlich profitierten sie auch von dem massiven Kursanstieg – nur steckt das Geld buchstäblich in der Blockchain fest.

Nicht zuletzt aufgrund der enormen Kursausschläge im letzten Jahr haben Gesetzgeber und Finanzaufsichten versucht mehr Transparenz in die Kryptowelt zu bringen. Viele Unternehmen, v.a. Banken, sind verunsichert über mögliche Verluste und Risiken aufgrund der krimineller Krypto-Besitzer; selbst die Online-Giganten Google und Facebook haben Kryptowährungen aus ihrer Werbung verbannt.

Kryptobörsen wie Kraken, Coinbase und Co. sind der einfachste Weg um Kryptowährungen zu kaufen und zu verkaufen. Aber inzwischen müssen sich sämtliche Nutzer mit ihren echten Identitäten, die auch anhand von Ausweispapieren und Bankdaten überprüft werden, ausweisen. Kleine Mengen an Kryptowährungen in Fiat-Geld zu tauschen ist zwar immer noch möglich, aber für größere Summen wird es immer schwieriger, ohne Strafverfolgungsbehörden aufmerksam zu machen. Auch die US Steuerbehörde IRS hatte bereits Ende 2017 von Coinbase die Herausgabe von Nutzerdaten verlangt, um mögliche Steuerhinterziehung zu ermitteln.

Tom Robinson, Gründer der Blockchain-Analytics-Firma Elliptic bestätigt: „Gelder aus illegalen Aktivitäten sitzen derzeit fest und suchen derzeit nach effektiven Wegen um auszucashen.“ Vor 6 Jahren, gingen 30% aller Bitcointransaktionen ins Darkweb – aktuell sind es noch rund 1% und die legale Nutzung dominiert bei weitem. Bereits 2013, als das FBI den Dark-Web-Marktplatz Silk Road räumte, wurden 144.000 Bitcoin beschlagnahmt – rund 1,3 Milliarden US-Dollar nach aktuellem Dollarkurs. Und genau diese Vermögen liegen zu einem Großteil noch in der Blockchain.

Im Juli 2017 wurden in einer gemeinsamen Operation von FBI, DEA, kanadischen und thailändischen Behörden zwei der größten geheimen Drogenmärkte, AlphaBay und Hansa, geschlossen, und damit ein Großteil illegaler Dark-Web-Aktivitäten buchstäblich ausgelöscht. Offensichtlich gelang es den Strafverfolgungsbehörden, effektiv in diese illegalen Marktplätze einzudringen und deren Akteure zu ermitteln, was eine gehörige Paranoia unter den Dark-Web Händlern ausgelöst haben dürfte. Für sie war die Kursrallye zum Jahresende der perfekte Verkaufszeitpunkt. Oftmals wurde – VICE zu Folge – die Hilfe von Bankern benötigt und Firmen wie Altcoinomy wurden regelmäßig von Kriminellen um Hilfe gebeten. Die Margen dafür sind ordentlich – 10% Provision sind durchaus normal – nur für den Tausch von Krypto in Fiat-Geld. Nach anonymen Aussagen gegenüber dem Onlinemagazin Vice haben einige dieser Bitcoin-Millionäre Wege gefunden auch aktuell noch Bitcoin in Fiat zu tauschen, aber nach Angaben von Insidern sind das bisher nur Ausnahmen – die meisten Gelder (geschätzte 80%) sitzen schlicht in der Blockchain fest.

Das hat zur Folge, dass im Dark Web nun andere Kryptowährungen favorisiert sind. Auf einem osteuropäischen Dark Web Marktplatz soll Monero bereits einen Marktanteil von 45% haben. Weitere populäre Kryptowährungen sind Zcash, Litecoin und Dash. Können Strafverfolgungsbehörden das Rennen gegen die illegale Verwendung von Kryptowährungen gewinnen? Aktuell gehen Experten davon aus, dass dies weniger eine Frage der technischen Möglichkeit ist, sondern vielmehr der Ermittlungskapazitäten.

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