Savedroids Geschäftsmodell ist Abzocke: Von Token-Zeichnern und Kunden

Der kürzliche PR-Gag von Savedroid aus Frankfurt, indem der CEO den Diebstahl des Firmenvermögens vortäuschte, hat definitiv die Aufmerksamkeit der Finanzbranche auf sich gezogen. Die Auflösung des PR-Gags stellte sich dann recht harmlos dar: Man habe nur auf die Risiken der unregulierten ICOs hinweisen wollen.

Aber das ganze ist Grund genug, sich dieses Unternehmen einmal genauer anzuschauen – hat es doch über einen ICO („Initial Coin Offering“) kürzlich satte 40 Millionen Euro von rund 35.000 Anlegern eingeworben.

Was ist das Produkt von Savedroid?
Das ist im Prinzip eine „Sparbüchse auf dem Smartphone“. Die funktioniert so, dass man Sparregeln definiert, nach denen regelmäßig Geld ins Sparkonto überwiesen wird. Zum Beispiel kann man festlegen, dass bei jedem Besuch im Fitnesstudio 10 Euro auf das Sparkonto überwiesen werden, oder einfach einmal im Monat 100 Euro. Das ist insofern eine praktische Sache, dass man sparen direkt im Alltag verankert und auch nicht immer daran denken muss.

Das klingt erstmal ganz nett, aber man fragt sich als ICO-Zeichner vielleicht doch: Wie verdient denn Savedroid mit diesem Produkt Geld? Und da ist die Antwort simpel: Gar nicht. Die App ist gratis, alle Services (die App, Überweisungen aufs Sparkonto, Kontoführung etc.) sind für den Kunden kostenlos. Für Savedroid selbst hingegen keinesfalls. Die Sparkonten selbst werden bei der Wirecard-Bank geführt – sämtliche Kosten dafür trägt Savedroid ohne es an den Kunden weiterzuberechnen.

Wie will nun Savedroid Geld verdienen?
Das Unternehmen will durch Analyse der Nutzerdaten Geld verdienen. Wenn die Firma zum Beispiel weiß, dass jemand für eine Reise spart, dann könnte Savedroid ihm die Reise vermitteln und eine Provision erhalten. Gleiches könnte Savedroid für Handy-Verträge, Strom, DSL etc. anbieten. Das klingt erstmal ganz nett, aber funktioniert es in der Praxis? Das ist durchaus recht zweifelhaft, denn der Konkurrenzkampf ist hart. Denn gerade die (online-affinen) Nutzer von Savedroid warten natürlich nicht auf einen Angebotsvorschlag von ihrer Sparapp sondern checken beispielsweise die günstigsten Reiseangebote bei Holidaycheck, Skyscanner, Trivago und Co. – und schon verdient Savedroid keinen Cent. Hinzu kommt, dass die Vermittlung von wirklich individuell passenden Produkten extrem aufwändig ist, sodass hier schnell die Kosten die Erlöse übertreffen können. Das ist ein Problem, mit dem viele Affiliate-Angebote zu kämpfen haben.

Vor dem Hintergrund der aktuell fehlenden Erlöse ist es durchaus naheliegend, dass der ICO eher den kurzfristigen Cashburn finanzieren sollte, als eine echte Wachstumsstrategie. Savedroid stellt das natürlich anders da. Man wolle das Produkt erweitern – etwa Sparen in Kryptowährungen ermöglichen. Das klingt im Vergleich mit dem bisherigen Sparkonto schon ein bisschen verrückt, da wie inzwischen auch der letzte Anleger begriffen haben sollte, sind Krypto-Investments höchst riskant und spekulativ. Man investiert nach dem Motto: Nur Geld in Kryptos stecken, dass auf dass man auch verzichten kann. Insofern ist ein Kryptoinvestment gradezu das Gegenteil von Sparen. Auch ist es so, dass es bisher schlicht keine der angepriesenen „Crypto Savings Plans“ bei Savedroid zu finden sind.

Die Krypto Transaktionen hat Savedroid hingegen schon als gewaltige Cash-Cow für die Zukunft geplant. Bereits im 4. Quartal 2018 sollen 5 Millionen Euro aus Gebühren für Kryptotransaktionen erlöst werden; 2019 56 Millionen Euo, 2020 136 Millionen und im Jahr 2022 gemütliche 416 Millionen Euro. In seinem Finanzplan geht Savedroid dafür von durchschnittlich 15% (!!!) Transaktionsgebühren aus. D.h. man kauft Kryptowährungen für 100 Euro – aber in die Kryptowährung fließt nach Gebühren nur 85 Euro. Beim Verkauf fallen nochmal 15% an. D.h. angenommen die gekaufte Kryptowährung steigt um 18%, dann wären die investierten 85 Euro wieder auf rund 100 Euro Wert gestiegen, und verkauft dann, so werden wieder 15% Gebühren fällig – und man bekommt seine 100 Euro zurück. Für solch eine Geschäftsmodell gibt es heutzutage nur einen Namen: Abzocke. Dass das ausgerechnet noch von einer Spar-App kommt, ist gradezu absurd.

Wie steht es denn um die ICO-Zeichner?
Savedroid hat selbst auch ein nettes theoretisches Modell über mögliche Wertentwicklungen des Tokens erstellt, dass jedoch am Ende darauf hinausläuft, dass Savedroid die wertbestimmenden Parameter selbst festlegt. Feste Regeln oder einen Rahmen dafür gibt es nicht – d.h. der Wert wird im Prinzip von Savedroid nach Gusto festgelegt.

Oft wird ja mehr oder weniger direkt argumentiert: Ein Kryptoinvestment ähnlich einem Aktienkauf, man beteiligt sich an einem mehr oder weniger tollen Unternehmen. Und langfristig macht das zum Vermögensaufbau auch absolut Sinn – ein ICO ist ja auch nichts groß anderes als ein IPO. Das ist aber – zumindest im Fall von Savedroid – komplett falsch. Die ICO-Investoren haben keinerlei Rechte auf Unternehmensinformationen, zur Mitbestimmung oder auf anteilige Unternehmensgewinne (wie es Aktionäre bspw. haben). Mit dem Token kann man VIELLEICHT einmal Dienstleistungen von Savedorid kaufen (siehe oben: Die sind alle kostenlos) – garantiert ist aber auch das nicht.

Fazit: Als Token-Besitzer hängt man ausschließlich von der Gnade des Savedroid-Managements ab.

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