Bitcoin unter 5.400 Dollar: Krypto-Währungen in Indien faktisch verboten

In Indien stürzte der Bitcoin auf der Kryptobörse Coinome auf 350.000 Rupien ab, was rund 5.392 US-Dollar entspricht und deutlich unter dem internationalen Marktpreis von 6.600 US-Dollar liegt.

Hintergrund ist ein bevorstehendes radikales Krypto-Verbot durch die indische Notenbank, dass es Banken und anderen Finanzinstituten untersagt Verbindungen irgendeiner Art zu Krypto-Handelsplattformen zu haben. Industrie-Experten bezeichnen dieses Vorgehen als äußerst aggressiv, denn anstatt eines differenzierten Regulierungsansatzes um Missbrauch und Betrug mit Kryptowährungen einzudämmen – wie es den meisten Ländern erfolgt – holt die indische Notenbank die große Keule hervor und versucht es mit einem radikalen Verbot.

Gleichwohl kommt dieser harte Schnitt nicht überraschend. Die indische Regierung und Notenbank hatten im Vorfeld die Öffentlichkeit gewarnt, dass man den Gebrauch der digitalen Währungen verhindern wird, welche auch rechtlich als illegales Zahlungsmittel angesehen werden.

Das Verbot der Notenbank umfasst auch Transaktionen/Überweisungen mit Personen oder Unternehmen, die in der virtuellen Währung handeln. Damit sind beispielsweise Überweisungen an Kryptobörsen unmöglich, ebenso ist im Extremfall auch möglich, dass Banken Geschäftsbeziehungen zu Kunden beenden, die in der Vergangenheit Gelder zu Kryptobörsen transferiert hatten.

Der Kursrutsch auf unter 5.400 US-Dollar je Bitcoin ist umso heftiger, da im Vorfeld der Bitcoin in Indien rund 5% über den Kursen in Übersee notierte, wie Vishal Gupta, Gründer des „Block Chain and Cryptocurrency Committee“ bestätigt. Dies bestätigt auch, dass der Markt das Vorgehen der Zentralbank als extrem aggressiv bewertet.

Später am Freitag gab die indische Notenbank bekannt, dass alle regulierten Unternehmen, die bisher Services im Zusammenhang mit dem Kryptohandel erbracht haben, solche Aktivitäten innerhalb von drei Monaten komplett einzustellen haben. Als Rechtfertigung für das harte Vorgehen nennt die Zentralbank Sorgen um Verbraucherschutz, intransparente Märkte und Geldwäsche.

Die indische Regierung hatte zuvor ebenfalls Kryptoinvestments mit „Ponzi Schemes“ verglichen, die ungewöhnlich hohe Renditen versprechen. Auch wurde ein Gremium eingesetzt, dass Kryptowährungen beobachten soll sowie ein Regulierungsinstitution für bisher unregulierte Kryptobörsen geplant.

Gleichwohl bleiben indische Kryptoanleger in Sorge, wie sie bestehende Krypo-Investments behandeln sollen. Es wird geschätzt, dass es in Indien rund 4-5 Millionen Besitzer von Kryptowährungen gibt, wobei rd. 60% erst gegen Ende 2017 eingestiegen sind. Gupta bestätigte, dass zahlreiche Anleger auf Verlusten sitzen, aber die Gelder auch nicht abgezogen werden können, denn eine Überweisung würde zur Schließung des Bankkontos führen.

Wie werden die Kryptobörsen darauf reagieren? Shivam Thakral, CEO von BuyUcoin, erwartet, dass sich die Geschäftsmodelle indischer Kryptobörsen vermutlich auf reine Krypto-Krypto-Transaktionen fokussieren werden, während Krypto-Fiat-Transaktionen aus dem Angebot fallen werden, d.h. ein Erwerb von Kryptowährungen durch klassische Währungen wie Dollar, Rupie oder Euro wäre an diesen Börsen nicht mehr möglich.

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