HPI-Studie entzaubert Blockchain

Ist die Blockchain der größte Technologie-Durchbruch seit dem Internet? Oder sind Kryptowährungen nur ein Spielzeug krimineller Machenschaften im Dark Web? Nach der Kursexplosion im vergangenen Jahr ist das Meinungsspektrum extrem breit gefächert: Von Blockchain-gläubigen Jüngern, die jegliche kritische Bemerkung als Propaganda des Establishments abtun, bis hin zu Skeptikern, die Kryptowährungen ausschließlich als Spekulationsblase sehen, sind unterschiedlichste Meinungen zahlreich vertreten.

Genau hier will das Hasso-Plattner-Institut (HPI) gegensteuern und hat dazu die Studie „Blockchain: Hype oder Innovation“ erstellt. Die IT-Wissenschaftler haben sich dazu bewußt neutral und sachlich dem Krypto-Universum genähert.

In der umfangreichen Studie gehen die Wissenschaftler intensiv auf die grundlegende Technologie der Blockchain ein und identifizieren als Innovation vor allem die erfolgreiche Kombination bereits vorhandener Technologien: dezentrale Netzwerke, Kryptographie, Konsensfindungsmodelle. Im Kern der Blockchain steht schlicht ein digitaler Werte-Austausch, der durch ein dezentrales Netzwerk erfolgt und bei dem die Transaktion automatisch verifiziert wird – den intelligenten Part steuern dabei die dezentralen Knotenpunkte dar, keine zentrale Instanz. Vertrauen zwischen den austauschenden Parteien ist dadurch keine Notwendigkeit mehr.

Die Informationen werden unveränderbar in die Blockchain geschrieben und sind damit transparent sowie ein fäschlungssicherer Nachweis, wann ein Wert bei wem im Besitz war. Auch komplexere Wert-Transaktionen und Wenn-Dann-Bedingungen (Smart Contracts) sind möglich. Alle Anwendungen, die Dezentralität und Sicherheit erfordern (z. B. Identitätsmanagement, Internet der Dinge, Cloud-Speicher) können von der Blockchain-Technologie enorm profitieren: Allein mit einer Blockchain-Wallet könnten Nutzer einkaufen, das Haustürschloss öffnen, ihr, im Krankenhausaufenthalt die Krankenakte zur Verfügung stellen, Autofahren ohne Schlüssel etc. – all das sind beispielhafte Anwendungsfälle für private Nutzer, die bald möglich sein werden.

Technologisch gilt Bitcoin als stärkstes und sicherstes Blockchain-System; Schwächen sind die hohen Kursschwankungen der Kryptowährung sowie der hohe Verbrauch Elektrizität. Steigende Energiekosten könnten einen Kostenanstieg bei den Transaktionsgebühren führen, damit das Mining weiter attraktiv und lohnend bleibt.
Risiken sehen HPI-Wissenschaftler auch bei neuen Blockchains, die potenziell weniger Sicherheit bieten da Änderungen an der bestehenden Technologie zu Schutzlücken und Mängeln führen können. Auch könnten gerade bei neuen Blockchains mit einem vergleichsweise kleinen Netzwerk aus dezentralen Knoten so genannte 51 Prozent-Attacken, bei denen kompromittierte Miner über mehr als die Hälfte der gesamten Rechenkapazität (Hashrate) verfügen, manipulierte Blöcke erstellen. Auch Schwachstellen im Code sind ein potenzielles Risiko, wie die Attacke auf das dezentrale autonome Netzwerk „The DAO“ zeigte, das mittlerweile nicht mehr existiert.

Unternehmen empfehlen die Wissenschaftler einen eher vorsichtigen Ansatz: Genaue Definition der Problemstellung, Überprüfung inwieweit die Blockchain dafür Lösungsmöglichkeiten bietet, Abwägung von Kosten und Nutzen. Problematisch ist für kleinere Unternehmen vor allem, dass die Blockchain zwar eine aufsteigende aber noch nicht ausgereifte Technologie ist. Das Potenzial, zahlreiche Geschäftsprozesse schlanker und effizienter zu gestalten ist zweifelsohne vorhanden, aber es bestehen auch zahlreiche Risiken, da es bisher noch Standards und Kompatibilität der Systeme mangelt.

Hier gibts die HPI-Studie zum Download:
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