Biontech-Impfung im Verdacht, Herzprobleme auszulösen

Derzeit untersucht das israelische Gesundheitsministerium Fälle einer Herzmuskelentzündung, die im Zuge einer Impfung mit dem Covid-19-Mittel von Biontech/Pfizer aufgetreten sein sollen. Unklar ist, ob ein Zusammenhang bestehen könnte oder es sich dabei um Zufälle handelt.

Der Hintergrund ist eine vorläufige Studie aus Israel, bei der 62 Fälle einer Myokarditis bei 5 Millionen Geimpften untersucht wurden. Hauptsächlich traten die Probleme nach der zweiten Impfung auf, vor allem Männer unter 30 waren davon betroffen. 60 Patienten mussten stationär behandelt werden, sind aber inzwischen wieder entlassen. Doch sind eine 22-jährige Frau und ein 35 Jahre alter Man daran gestorben, wobei sie vor der Impfung gesund waren.

Was ist eine Myokarditis?

Bei einer Myokarditis handelt es sich um eine Herzmuskelentzündung, die chronisch oder akut verläuft. Dabei kommt es zu einer Schädigung der Herzmuskelzellen. Zu den Symptomen gehören unter anderem Herzklopfen oder Atembeschwerden. Ursachen können vielfältig sein, unter anderem eine Infektion mit Bakterien oder Viren. Eine Herzmuskelentzündung kann auch durch eine Sars-CoV-Infektion ausgelöst werden. Es löst bei einem Befall der Muskelzellen einen direkten myokardinalen Schaden aus. Sofern dann auch noch aktivierte T-Zellen in die infizierten Myozyten eindringen, kann so eine Myokarditis entstehen. In Deutschland werden nach statistischen Untersuchungen jährlich etwa 3.500 Patienten in Kliniken mit schwer verlaufenden Problemen behandelt.

Sieben Fälle in Deutschland

Insgesamt sind in Deutschland bislang sieben Fälle einer Myokarditis nach einer Biontech-Impfung gemeldet worden. Dazu sagte gegenüber der „BILD“ eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts: „Die Patienten waren 23 bis 89 Jahre alt, alle Personen wurden mit Comirnaty (dem Impfstoff von Biontech, d. Red.) geimpft. Die Myokarditis trat wenige Stunden bis vier Tage nach der Impfung auf.“ Weitere Informationen für eine Bewertung würden in allen Fällen noch ausstehen, eine abschließende Bewertung kann noch nicht vorgenommen werden.

Ähnliche Zahl von Fällen in den vergangenen Jahren

Unklar ist auch in Israel noch, ob es sich um eine ungewöhnlich hohe Anzahl mit Herzproblemen im Zusammenhang mit dem Vakzin handelt. Schwierig ist der Nachweis zwischen einer Impfung und der Erkrankung auf jeden Fall, denn oft laufe eine Myokarditis ohne Komplikationen ab. In den vergangenen Jahren wurde jedoch eine ähnlich hohe Anzahl an Fällen in Israel gemeldet. „Wir können noch nicht sagen, ob es mehr Fälle als normal gibt oder ob es jährlich ähnliche Zahlen gibt und die Nähe zur Zweitimpfung nur ein Zufall ist. Die Bemühungen, mehr Daten zu sammeln, werden fortgesetzt“, heißt es in einem Bericht des dortigen Gesundheitsministeriums, der „The Times of Israel“ vorliegt.

Was sagt Biontech?

Auf Nachfrage der „BILD“ erklärt Biontech: „Nebenwirkungen werden kontinuierlich und gründlich überprüft. Wir haben beim Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung kein höheres Aufkommen von Myokarditis-Fällen nach der Impfung mit unserem COVID-19-Impfstoff beobachtet. Ein kausaler Zusammenhang mit dem Impfstoff ist nicht nachgewiesen worden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Impfstoffs Pfizer/BNT COVID-19 darstellt.“

Und weiter: „Bis heute wurden weltweit mehr als 260 Millionen Dosen des COVID-19-Impfstoffs verabreicht. Es muss aber erwartet werden, dass schwerwiegende Erkrankungen, die nicht mit der Impfung in Verbindung stehen, aber zeitlich eng mit ihr zusammenhängen, bei geimpften Personen in einer ähnlichen Häufigkeit auftreten wie in der Gesamtbevölkerung.“

In Israel haben bereits über 5 Millionen Menschen die zweite Impfung erhalten. Fast 60 Prozent der rund 9,3 Millionen Einwohner des Landes haben dabei mindestens einmal das Vakzin von Biontech/Pfizer erhalten.